
Aktuell
Herbstwerkstatt 2026 –
Interpretative Praxis und das Subjekt der Forscher:in
Die Herbstwerkstatt 2026 findet vom 7. bis 10. Oktoberber 2026 an der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld statt.
Die Herbstwerkstatt beginnt mit einem gemeinsamen Auftakt am Mittwoch, den 7. Oktober (voraussichtlich um 14 Uhr) und endet am Samstag, den 10. Oktober (voraussichtlich um 15 Uhr).
Anmeldung bis zum 10.06.2026 über das Online-Formular
Bestätigung bis spätestens: 30. Juni 2026
Einsendung von Material für die Forschungswerkstätten: 06. September
Als Unkonstenbeitrag für die Herbstwerkstatt (Material, Pausengetränke und Snacks) werden 180 € erhoben.
Zur Anmeldung bitten wir um ein kurzes Abstract zum eigenen Forschungsprojekt, aus dem Thema, Methoden, Material und der aktuelle Stand der Forschung hervorgehen. Zusätzlich bitten wir um Nennung des wichtigsten Anliegens/der wichtigsten Frage, mit der Sie an der Herbstwerkstatt teilnehmen möchten.
Im Anmeldeformular fragen wir ab, ob Sie eigenes Forschungsmaterial in eine Werkstattsession einbringen möchten. Dabei bitten wir bereits jetzt um Verständnis, dass wir diese Möglichkeit angesichts des verfügbaren Zeitbudgets nicht allen Teilnehmer:innen anbieten können, sondern unter den Interessierten auswählen müssen.
Bei Fragen oder für die Aufnahme in den Herbstwerkstattverteiler kontaktieren Sie uns gerne jederzeit unter herbstwerkstatt@uni-bielefeld.de
Themenschwerpunkt 2026
Für die diesjährige Herbstwerkstatt haben wir einen thematischen Rahmen gewählt, der für alle, die mit qualitativen Methoden arbeiten, bedeutsam ist: die Frage der Subjektivität der Forschenden. Im Unterschied zur quantitativen Forschung, wo der Einfluss der Forschenden auf die Datengewinnung und -analyse zugunsten eines Objektivitätsideals möglichst geringgehalten und kontrolliert werden soll, wird die Subjektivität der Forschenden im interpretativen Paradigma als unhintergehbares und konstruktives Element systematisch einbezogen. Dabei geht es nicht um die bloße Anerkennung der Tatsache, dass der Forschungsprozess vom Hintergrundwissen, den Interessen, Vorannahmen, vom sozialen Standort und auch von affektiven Dispositionen der Forschenden abhängig ist. Gefordert ist vielmehr eine wissenschaftlich reflektierte Subjektivität, d.h. ein theoretisch begründetes Verständnis der Rolle der Forscher:in in der Produktion von Daten und Erkenntnis sowie ein methodologischer Ansatz zur Reflexion und Verarbeitung der produktiven Effekte der Forscher:innensubjektivität in der Forschungspraxis. Was das konkret bedeutet, soll im Rahmen der Herbstwerkstatt ausgehend von den eigenen Erfahrungen und Ansprüchen der Teilnehmenden erkundet werden. Der thematische Rahmen soll orientieren und einen gemeinsamen Horizont für den Austausch anbieten, jedoch offen bleiben für die je eigenen Fragen und Klärungsbedarfe der Teilnehmenden.
Was ist die Herbstwerkstatt?
Die qualitative Untersuchung von Text-, Film- und Bildmaterial, das in Forschungsprozessen erzeugt, analysiert und archiviert wird, ist eine auslegende, deutende, re- oder ko-konstruierende, allgemein: eine interpretative Forschungspraxis – und als solche ist sie in besonderem Maße auf kommunikative Räume zur Auseinandersetzung mit dem jeweils untersuchten Material angewiesen. Interpretative Forschung braucht den Austausch in der Gruppe, um Lesarten zu entwickeln und erproben, Methoden und ihre Verwendung in der eigenen Vorgehensweise zu reflektieren, Ergebnisse zu diskutieren sowie erkenntnispolitische, methodologische und methodische Fragen zu thematisieren. Die Bereitstellung geeigneter Formate für fachlichen Austausch und Reflexion ist deshalb ein Qualitätsmerkmal qualitativer Forschung. An vielen Hochschulen gibt es kontinuierliche Forschungswerkstätten, darüber hinaus haben sich überregionale Methodenworkshops etabliert, bei denen Forscher:innen an ein oder zwei Tagen einen breiten Einblick in qualitative Methoden und unterschiedliche Arbeitsweisen gewinnen und u.U. auch eigene Materialien diskutieren können.
Die Herbstwerkstatt Interpretative Forschungsmethoden in den Bildungs- und Sozialwissenschaften gibt es seit 2008. Das besondere Angebot besteht darin, eine intensive Zusammenarbeit in einer überschaubaren Gruppe von ca. 25 Teilnehmer:innen über mehrere Tage zu ermöglichen. Die Auseinandersetzung mit methodologischen und methodischen, theoretischen und praktischen Fragen qualitativer Forschung erfolgt anhand von konkretem Forschungsmaterial und orientiert sich an den Fragen und Problemen aus der Forschungspraxis der Teilnehmenden. Dabei geht es weniger um die Vermittlung bestimmter Methoden, sondern um die gemeinsame Arbeit am Material und Auseinandersetzung mit übergreifenden methodologischen und forschungsethischen und praktischen Fragen interpretativer Forschung.
An wen richtet sich die Herbstwerkstatt?
Eingeladen sind Bildungs-, Kultur- und Sozialwissenschaftler:innen, die Forschungsprojekte mit qualitativen empirischen Methoden durchführen und daran interessiert sind, methodologische Fragen sowie Probleme aus der eigenen Forschungspraxis in einem wechselseitigen fachlichen Austausch zu reflektieren. Die Herbstwerkstatt richtet sich besonders an Wissenschaftler:innen, die im Rahmen von Qualifikationsarbeiten (Dissertationen und Habilitationen) und in Forschungsprojekten Konzepte und Methoden interpretativer Forschung nutzen. Erwartet wird die Bereitschaft, in Kleingruppen gemeinsam an Material zu arbeiten, sich auf die Perspektiven und Anliegen der Teilnehmenden einzulassen sowie eigene Fragen und Ideen mit anderen zu teilen.
Welche Arbeitsformen erwarten mich?
Im Rahmen der Herbstwerkstatt werden unterschiedliche Arbeitsformen angeboten: In angeleiteten Werkstätten arbeiten Kleingruppen an Materialien aus verschiedenen Stadien ihrer Forschungsarbeit. Neben empirischem Material (z.B. Texte, Bilder, Videos) können auch Interpretationstexte oder andere im Forschungsprozess entstandene Textsorten in die Werkstattarbeit eingebracht werden.
In Plenardiskussionen werden auf der Grundlage kurzer Inputs methodologische und forschungspraktische Themen diskutiert, wie beispielsweise:
• die methodologischen Grundideen rekonstruktiver und interpretativer Sozialforschung;
• der Zusammenhang von Forschungsinteresse, Fragestellung, Methode und Material;
• die Kontextualität des Datenmaterials und
• das Konzept der Interpretation als Ko-Konstruktion.
Die Themen werden in diesem Jahr besonders mit Blick auf die Bedeutung der Subjektivität der Forschenden diskutiert. Außerdem besteht die Möglichkeit, in selbstorganisierten Ad-hoc-Gruppen ausgewählte Themen zu vertiefen. Zeiträume für Einzelarbeit, kollegiale Reflexion und informellen Austausch sind eingeplant



